Kategorien-Archiv: "Fundstücke"

Fundstücke über Täterberatung, Gewaltberatung

Broschüre: Reden statt schlagen | Frankfurter Rundschau - Hessen

Seit rund 20 Jahren arbeitet Hans Schmidt vom Verein JederMann in Heidelberg mit gewalttätigen Männern. “Die wenigsten kommen freiwillig”, sagt er. Die meisten müssten eine Bewährungsauflage erfüllen. Seltener finden sie den Weg, weil sie Angst davor haben, Partnerin, Job oder das Gesicht zu verlieren. “Drohender Verlust ist ein starker Antriebsmotor für Veränderungen.”

Die hessische Landeskoordinierungsstelle gegen häusliche Gewalt hat Schmidt als Referenten zu ihrer Fachtagung “Täterarbeit” eingeladen. Seine Zuhörer sind Vertreter aus Polizei, Justiz, Jugendämtern, Beratungsstellen für Frauen. Nachdem diese jahrelang vor allem die Opfer im Blick hatten, nehmen sie jetzt langsam auch die Täter in ihren Fokus - die männlichen. Bis man über die - ebenfalls existenten - Täterinnen sprechen wird, werden weitere zwanzig Jahre vergehen, sagt Schmidt voraus. Die Mühlen mahlen langsam: Stolze zweieinhalb Jahren hat es gedauert, bis endlich der hessische Wegweiser für die Beratung von Männern mit Gewaltproblemen fertiggestellt ist. Eine 40-seitige Broschüre im DIN A 5-Format, die Richter, Polizisten oder Beratungsstellen künftig verteilen können. Das Grußwort stammt von Justizminister Jürgen Banzer (CDU), dessen Ressort die Koordinierungsstelle unterstellt ist. “Das Erlernen sozialer Verhaltensmuster zur Vermeidung von Wiederholungstaten”, schreibt Banzer, “ist mittelbar auch Opferschutz”.

Broschüre: Reden statt schlagen | Frankfurter Rundschau - Hessen

Schade eigentlich, dass durch die Journailistin nicht weiter recherchiert wurde, wieviele Angebote für die Täter- und Täterinnenberatung es wirklich gibt, wenn man sie aus ideologischen Gründen eben nicht ausblenden würde.
Schade ist auch, dass hier wieder die Mär vom schlecht zu motivierenden, männlichen Monster-Täter weiter verbreitet wird - doch auch verständlich…
Wenn man Männer so negativ sieht, sich selbst permanent von ihnen abzuheben versucht, dann ist man eben angewiesen auf Klienten, die einem wegen einer gesetzlichen Auflage nicht weglaufen können…
In einem gebe ich Hans Schmidt jedoch Recht: Es wird womöglich 20 Jahre dauern, Täterinnenberatung wirklich flächendeckend zu etablieren, wenn wie zur Zeit an einem Gesetesentwurf fleissig gearbeitet wird, der weibliche Täterschaft bewusst und vorsätzlich ausblendet.

Veröffentlicht in Beratungsstellen häusliche Gewalt | Kommentieren

Präsenz in der Pädagogik- Über den Mut, zu handeln.

Diese Referenz über die beiden Tagesveranstatungen von Jürgen Krabbe und Sabine Seifert in Zürich erreichte uns heute. Wir freuen und bedanken uns! Hier ein Auszug:

Referenz aus der Tagung
Präsenz in der Pädagogik – über den Mut zu handeln
9./10. Juni 2008, Paulus-Akademie Zürich

An den beiden Tagen mit gleichem Programm haben gesamthaft rund 220 Personen teilgenommen. Ich möchte Ihnen an dieser Stelle nochmals herzlich danken für Ihre Bereitschaft, dieses wichtige Thema einer grossen Zuhörerschaft näher zu bringen.
Es ist Ihnen gelungen, unsere Mitarbeitenden an Ihrem ausserordentlichen Erfahrungsschatz teilhaben zu lassen. Ihre klaren Aussagen – die manchmal auch Widerspruch hervorriefen – über die Bedeutung der zehn Grundgefühle, über das Phänomenologische Modell und das Kontaktmodell animierten zu intensiven, nachhaltigen Gesprächen in Kleingruppen.

Hier gibt es das Original als PDF.

Den Auftakt gab Stiftungsratspräsidentin Monika Weber. Sie umriss die Entwicklung der Stiftung im Verlaufe des letzten Jahrzehnts und unterstrich die herausragende Rolle, welche die Qualität unserer Dienstleistungen auch in Zukunft spielen wird.Theo Eugster erläuterte im Anschluss den Paradigmenwechsel in der Zusammenarbeit zwischen Staat und privaten Trägerschaften und nannte Beispiele der aktuellen Angebotsentwicklung, welche die Stiftung für die Zukunft fit machen. Kurt Huwiler lobte den Mut der Pädagoginnen und Pädagogen, trotz Unschärfen im Berufsauftrag mit Überzeugungskraft ihre Aufgabe zu erfüllen. Damit war das Thema der Tagung, welche eine fünfköpfige Arbeitsgruppe vorbereitet hatte, lanciert. Die geladenen Gäste aus deutschem Lande, Sabine Seifert Wieczorkowsky und Jürgen Krabbe (beide tätig im Forum Intervention, Lingen), übernahmen gut gelaunt die inhaltliche Gestaltung des restlichen Tages.
Die beiden Referenten zeigten unter aktiver Mithilfe des Plenums ebenso anschaulich wie eindringlich auf, dass die Essenz unserer pädagogischen Arbeit Anwesenheit ist, gepaart mit dem Mut, die ganze Palette unserer Gefühle zu äussern. Diese bilden unsere besten Werkzeuge, liefern eine Methode für unsere Arbeit, denn Emotionen sind die Grundlagen jeder Beziehung, die Basis unserer Kommunikation. Ohne die Liebe zu Kindern und Jugendlichen können die anspruchsvollen pädagogischen Ziele nicht erreicht werden. Mit Courage, also der Beherztheit, auch Angst, Wut, Verzweiflung, Traurigkeit, Scham, Lust, Ekel, Hass oder Freude authentisch zu vermitteln, schaffen wir für die uns anvertrauten Zöglinge ein Übungsfeld und die stets wachsende Sicherheit, ihre eigenen Gefühle zu erkennen, richtig einzustufen und einen adäquaten Umgang mit ihnen zu erlernen. Wir alle haben individuelle Reaktionsweisen entwickelt, wie wir Kontakte pflegen, wie wir in Stress- und Konfliktsituationen reagieren, kurz, wo wir das «Heimspiel » haben. Je besser wir uns selbst kennen, umso eher gelingt es uns, Resonanzkörper und authentisches Vorbild zu sein und damit längerfristig Wunden aus verletzenden Beziehungen zu heilen. Narben bleiben, sind aber Teil der Lebensgeschichte unserer Kids, die biografisch integriert werden können. Mit Professionalität und einem differenzierten Gender-Bewusstsein, das heisst insbesondere mit Sensibilität für das richtige Quantum, den geeigneten Kontext und die kulturellen Rahmenbedingungen, schaffen wir echte Beziehungsangebote. Unsere eigene Persönlichkeit – mit dem nötigen Mut zur geforderten Präsenz – bestimmt wesentlich die Qualität unserer Pädagogik.
Wir hoffen, Sie konnten stärkende, ermutigende Inhalte und Anregungen für Ihre Arbeit aus der Tagung mitnehmen. Sollte Ihnen bei den vielfältigen Begegnungen im Alltag ab und an die Tagung – oder einzelne Teile daraus – in den Sinn kommen, ist unser Ziel erreicht! Im Namen der Vorbereitungsgruppe ein herzliches Dankeschön für Ihr Kommen, für die offene und engagierte Teilnahme in den Arbeitsgruppen und im Plenum, für die Bereitschaft, über Ihre Gefühle zu sprechen. …

Fachtagung erhält gute Noten
145 Personen (knapp zwei Drittel aller Teilnehmenden) waren bereit, im Anschluss an die Tagung einen kurzen Fragebogen auszufüllen. Was die Referate betrifft, erzielte Theo Eugster die höchste Zufriedenheit, gefolgt von Sabine Seifert und Jürgen Krabbe: Die Werte lagen zwischen 2,2 und 2,9 (1 = sehr zufrieden, 5 = sehr unzufrieden). Noch beliebter mit einem Mittelwert von 1,9 war die musikalische Darbietung des Duos Noser – Cannizzaro.

Veröffentlicht in "Fundstücke" | Kommentieren

Deubner News: Gesetzesinitiative für bessere Täterarbeit

Um neuerliche Gewalttaten zu verhindern, soll Tätern durch gezielte psychologische Gesprächsführung die Fähigkeit vermittelt werden, Verantwortung für ihr Tun zu erkennen, zu übernehmen und sich selber besser zu kontrollieren. Um neuerliche Gewalttaten zu verhindern, soll Tätern durch gezielte psychologische Gesprächsführung die Fähigkeit vermittelt werden, Verantwortung für ihr Tun zu erkennen, zu übernehmen und sich selber besser zu kontrollieren.

Deubner News: Gesetzesinitiative für bessere Täterarbeit

Auch wenn der Satz gleich zweimal gedruckt wurde, wird der eminente Widerspruch in der Gesetzesinitiative nicht aufgelöst.

Niemand kann in einem Kontext, der Bestrafung als Alternative vorsieht, einem anderen Menschen beibringen, sich selbst über die “Steigerung der Selbstkontrolle” an weiteren Gewalttätigkeiten zu hindern.

1. Täter und Täterinnen sind übermäßig kontrolliert und aggressionsgehemmt - von daher steigert die Selbstkontrolle nur noch die Gewalttätigkeit.
2. Täter und Täterinnen können nur lernen, die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen, wenn die Verantwortung bei ihnen belassen wird.
3. Wer kontrolliert, ob jemand Anderes die Verantwortung für sein eigenes Handeln übernimmt, schafft eine paradoxe Situation und produziert soziale Überanpassung.

Load "Gesetz zur “Stärkung der Täterverantwortung” ?"

Veröffentlicht in "Fundstücke" | 1 Kommentar

Gesetz zur “Stärkung der Täterverantwortung” ?

Ein neues Gestz gegen die so genannte Jugendgewalt ist im Anmarsch. Es wird viele Konsequenzen nach sich ziehen, die für Gewaltberater und Gewaltberaterinnen von Bedeutung sind.

Hier findet ihr mehr dazu: www.taeterarbeit.eu und hier wird es beschrieben.

Nun empfielt es sich, möglichst viele und gute Referenzen über das SEK-Training zu sammeln, um neben den Brüll-Box-Kursen von Herrn Kannenberg im kommenden Kampf um die staatlichen Gelder noch bestehen zu können.

Gerade bin ich darauf gestossen, dass ein Gesetzesentwurf auch für Männer, die häuslich gewalttätig wurden, in der Mache ist… Hier gibt es den Entwurf, und hier die erste Antwort.

Veröffentlicht in "Fundstücke" | Kommentieren

Einspruch aus St. Gallen

Ein sehr lesenswerter Artikel findet sich im Schweizer Tagblatt.

Andreas Hartmann hat sich gleichzeitig gefreut und gewundert, als er Anfang März im Tagblatt über das Konzept des Forensischen Instituts Ostschweiz (Forio) las, das im Auftrag des Kantons Täter von häuslicher Gewalt berät und betreut.

Hartmann arbeitet zusammen mit zwei Kollegen und einem Pensum von insgesamt 70 Prozent als Gewaltberater und Tätertherapeut bei der Ostschweizer Beratungsstelle «Männer gegen Männer-Gewalt» (MgM) in St. Gallen. Grundlage ihrer Tätigkeit ist das sogenannte Hamburger Modell, das sich vom Angebot für Gewalttäter im Thurgau in verschiedener Hinsicht unterscheidet.

Andere Voraussetzungen

Hartmann erstaunt es, wenn Forio-Leiterin Monika Egli-Alge sagt, dass Zwang der Schlüssel zum Erfolg sei. «Unsere Erfahrungen in den letzten sieben Jahren mit weit über 100 Klienten belegen genau das Gegenteil», betont Hartmann. Die Verpflichtung zur Therapie durch eine zuweisende Stelle habe sehr oft einen negativen Einfluss auf den Erfolg. Denn wer von einem Gericht als Teil der Strafe oder Ersatz dafür zu Gesprächen über seine Probleme gezwungen werde, passe sich einfach an, was vielen umso leichter falle, da Gewalttäter in der Regel ohnehin sozial überangepasst lebten.

Der Artikel ist in Gänze lesenswert.

Veröffentlicht in Beratungsstellen häusliche Gewalt | Getagged , | Kommentieren