Dalpra: Ohnmacht kann zu Gewalt führen

arno-dalpra-bild-orf_small.jpg

aus: http://vorarlberg.orf.at/stories/168860/

Ohnmacht in scheinbar hoffnunglosen Situationen lässt Männer oft gewalttätig werden, sagte Arno Dalpra von der IfS Gewaltberatung im Gespräch mit Adi Fischer am Donnerstagabend in „Vorarlberg heute“. Das Experteninterview zum Nachlesen.

Fischer: Passt der aktuelle Fall, in dem ein Mann vermutlich zuerst seine Frau erdrosselt hat und sich anschließend selbst gerichtet hat, in eines der Ihnen bekannten Verhaltensmuster?

Dalpra: Mit dem konkreten Fall bin ich zu wenig vertraut. Es ist aber bezeichnend, dass Männer bei Konfliktlösungen oft mit Gewalt reagieren. Zwar nicht immer, aber deutlich häufiger als zum Beispiel Frauen. 90 Prozent der Gewalt wird von Männern ausgeübt. Davon treffen rund 30-35 Prozent Gewalt gegen Frauen. Der Rest betrifft Gewalt unter Männern.

Aggressionen in dieser Art sind fast ausschließlich Männersache. Was geht da in den Betroffenen vor?

Wir in der Ifs-Beratungsstelle „Klartext“ versuchen zu eruieren, woher die erhöhte Gewaltbereitschaft der Männer kommt. Oft hat es mit der männlichen Sozialisation zu tun. Männer sind es gewohnt, den Überblick zu haben. Sobald es eine Krise gibt haben sie das Gefühl, man erwarte von ihnen, das Problem optimal zu lösen. In diesen Grenzsituationen scheint die Gewalttätigkeit oft die letzte Möglichkeit zu sein. Vor allem dieses Ohnmachtsgefühl ist dafür ausschlaggebend.

Warum gibt es diesen Trieb, noch jemanden mitzunehmen, wenn man sich selbst nicht mehr darüber hinaussieht?

Diese tragische Tatsache hängt mit dem „Besitzen“ zusammen. Wenn ein Paar keine gemeinsame Zukunft mehr hat, kommt es oft vor, dass der Mann die Partnerin niemand anderem vergönnt. So reißt er sie dann mit in die Sache hinein.

Gott sei Dank kommt es ja nicht allzu oft zu solchen Taten. Meist bleibt es bei der Androhung. Wie ernst müssen Betroffene solche Ankündigungen nehmen?

Absolut ernst. Jeder der eine Drohung ausspricht hat auch die Verantwortung dafür zu tragen. Wenn eine derartige Drohung ausgesprochen wird, muss man die Person damit konfrontieren. Seit einiger Zeit gibt es aber in der Gesetzessituation gezielte Möglichkeiten des Opferschutzes, die eine gewisse Sicherheit bringen können.

Ihre Meinung ist uns wichtig