Gewaltberatung und Gewaltpädagogik in 2006, Fallzahlen

Wir haben eine – nicht repräsentative – Umfrage unter ausgebildeten Gewaltberater(inne)n durchgeführt, um zu erfahren, wie die Gewaltberatung (GHM)® in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Jahr 2006 Verbreitung gefunden hat.

In einem Fragebogen, der an insgesamt 152 Personen geschickt wurde, haben wir abgefragt, mit wievielen Jungen, Männern und Frauen gearbeitet wurde, die gegen Familienangehörige oder andere Personen gewalttätig geworden sind.

Nicht zuletzt aufgrund technischer Probleme haben wir insgesamt nur Rückläufer von 39 Personen in 28 Einrichtungen bzw. Einzelfirmen bekommen.

Hier nun eine zusammenfassende Auswertung:

  1. Gewalttätige Jugendliche

streetdangerkl.jpgInsgesamt 187 gewalttätige Jungen wurden beraten, 153 nicht gewalttätige Jungen im Rahmen der gewaltpräventiven und geschlechtssensiblen Jungenarbeit.

von diesen Jungen (bis zum Alter von 18 Jahren) waren:

122 gewalttätig gegenüber Gleichaltrigen, 39 sexualisiert gewalttätig und 30 übten Gewalt gegen ältere Personen, also gegen Erwachsene aus.

Im Rahmen der Arbeit wurden 177 Elternberatungen durchgeführt und 161 andere Erziehungspersonen der Klienten beraten.

Ausserdem wurden 2 gewalttätige Mädchen beraten.

Neben der Einzelberatung wurden 69 gewalttätige Jungen (39 sexualisiert gewalttätig und insgesamt 63 körperlich gewalttätig gegen Gleichaltrige) in Gruppen (z.B. SEK-Training) beraten.

2. Gewalttätige Männer

Insgesamt wurden 740 Männer über 18 Jahre (zu über 80% häuslich gewalttätig) im Rahmen von Einzelsitzungen beraten, davon mindestens 60 sexualisiert gewalttätige Männer (leider fehlten einige Aufschlüsselungen, es sind aber sicher mehr).vieleleutesw.gif

Da einige Kollegen auch in der Bewährungshilfe arbeiten, wurden 86 Männer (häusliche Gewalt) im sogenannten „Zwangskontext“ beraten, also: Beratung im Rahmen von Bewährungsauflagen oder um einer Bestrafung zu entgehen.

Sogenannte „Selbstmelder“ waren 637 Männer, die aus eigener primärer Motivation Beratung aufnahmen (dies entspricht einer Quote von insgesamt 88,3%).

148 Männer wurden zudem in sogenannten Trainings-Gruppen (in 987 Stunden) beraten (nach der Einzelberatung).

17 Täterinnen (körperlich gewalttätig) gegen Partner und gegen Kinder, sowie 10 gegenseitig gewalttätige Paare fanden ebenfalls aus dem Dunkelfeld den Weg in die Gewaltberatung, obwohl bisher explizit keinerlei Werbung für diese Zielgruppen gemacht wurde.

Ausserdem wurde der Ansatz der Gewaltberatung in Tagesveranstaltungen, Seminaren und Weiterbildungen in mind. 6705 Stunden mit 2130 Teilnehmerinnen und Teilnehmern verbreitet.

Resümee:

Die Befragung ist nicht repräsentativ. In den vergangenen Jahren wurden ca. 300 Personen in den dreijährigen berufsbegleitenden Weiterbildungen in GEWALTBERATUNG und GEWALTPÄDAGOGIK mit Zertifizierung fortgebildet.

Den Fragebogen haben insgesamt 28 Organisationen und Freiberufler beantwortet. Die Zahlen beziehen sich somit auf eine Gesamtzahl von 39 Berater(innen).

Vier Organisationen sind staatlich geförderte Beratungsstellen mit insg. 14 Beratern.

Ungefähr 14% aller in den letzten 15 Jahren ausgebildeten Gewaltberater(innen) haben also im Jahr 2006 insgesamt 1015 Täter und Täterinnen beraten. 88,3% der erwachsenen Täter kamen aus dem sogenannten Dunkelfeld.

Ca. 80% der Berater(innen) arbeiten als Freiberufler(innen) ohne Anstellung in einer Beratungsstelle.

Wir werden in diesem oder zu Beginn des nächsten Jahres eine erneute Fragebogenaktion starten, die mit weitergehenden und spezifischeren Fragestellungen ausgestattet sein wird. Wir hoffen auf eine rege Resonanz und versprechen die Technik des Ausfüllens so user(innen)freundlich wie möglich zu gestalten.

Wir bedanken uns auf diesem Wege nochmals bei den Kolleginnen und Kollegen für die Bearbeitung und die Rücksendung der Bögen.

Die Fragebögen und die Auswertung können Sie gern auch als PDF haben. Bitte schreiben Sie uns.

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