Jungensozialistation

aus Nordwestradio

Kurz und gut – die Morgenandacht
am 17. Oktober 2006 von Andreas Egbers-Nankemann

“König Arthur härter als Muhammed Ali.”

“Der König beweist das Herz eines Löwen.”

Mit solchen Schlagzeilen wurde auf den Boxkampf von Arthur Abraham gegen Edison Miranda vor wenigen Wochen reagiert. Ein neuer Held war geboren. Die blutige Schlacht hatte er für sich entschieden. Arthur Abraham, Box-Weltmeister im Mittelgewicht, hatte trotz eines Kieferbruchs in der vierten Runde den Kampf fortgesetzt. Noch acht Runden kämpfte er blutverschmiert und schmerzverzerrt und holte sich so Anerkennung, die größer kaum sein könnte.

Warum fällt es mir so schwer, diese Leistung des Boxers anzuerkennen? Sicher empfand ich die Bilder seines blutverschmierten und schmerzverzerrten Gesichtes als Zumutung. Schlimmer jedoch wirken auf mich die Botschaft, die dieser Boxkampf und die anschließenden Reaktionen vermittelten. Mir fallen sofort Sätze ein wie “Ein Indianer kennt keinen Schmerz” oder “Ein Junge weint nicht!”

Für viele ist der Boxweltmeister Arthur Abraham ein Vorbild. Nach diesem Kampf erst recht! Er hat gezeigt, wozu ein Mann imstande ist: Er hat einen eisernen Willen, kann Schmerzen wegstecken, lässt sich nicht klein kriegen, ist ganz bestimmt kein Verlierer-Typ.

“Und genauso soll auch unser Junge sein.” Ist das vielleicht eine Botschaft, die in vielen Köpfen von Eltern und Großeltern schlummert?!

Auch wenn nicht jeder Junge ein Box-Weltmeister werden soll, wird meist doch von ihm erwartet, dass er stark und furchtlos ist, dass er Schmerzen wegstecken kann und sich durchbeißt! Ansonsten gilt er als “Weich-Ei” oder “Muttersöhnchen”.

In meiner Arbeit als Gewaltberater wird mir immer wieder deutlich, wie sehr Jungen und Männer diese Maxime verinnerlicht haben. Um furchtlos, stark und knallhart zu sein, haben viele den Zugang zu ihrer Gefühlswelt verloren. Wenn ein Mann die unangenehmen Gefühle wie Angst, Traurigkeit, Scham, Einsamkeit, Erniedrigung usw. nicht merkt, kann er in der Regel deutlich besser funktionieren. Doch ist es das, worauf es in unserem Leben ankommt: zu “funktionieren”?

Für alle Jungen wünsche ich mir deutlich mehr, als dass sie nur “funktionieren”! Ich wünsche ihnen, dass sie sich angenommen fühlen und sich entfalten können mit all ihren Seiten des Mensch-Seins: mit den rationalen wie auch den emotionalen. Ich wünsche ihnen, dass sie ihre Fähigleiten entdecken: ihre sportlichen wie auch ihre sozialen. Und ich wünsche ihnen Vorbilder: Männer, die nicht durch unmenschliche Härte, sondern durch hervorragende sportliche und soziale Leistungen imponieren.

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