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Hubert Frank |
Hubert Frank ist Männerseelsorger im Bistum Mainz und ausgebildeter Gewaltberater. Er ist Mitgleid der Initiative “Männer gegen Männergewalt”.
Das Interwiew mit Hubert Frank können Sie anhören
oder auch ansehen.
Männergewalt. Frage:
Warum sind Männer gewalttätig, warum schlagen Männer ihre Frauen?
Hubert Frank:
Sie schlagen in der Regel dann ihre Frauen, wenn sie in einem Konflikt, in einer Auseinandersetzung auch über längere Zeit nicht mehr weiter wissen. D.h. wenn sie in einer Ohnmachtsituation sind, sich an die Wand gedrängt fühlen und dann nutzen sie die Gewalt, um im Moment das Gefühl zu haben, sie haben wieder die Macht über die Situation. Sie können wieder agieren, es wirkt ja auch so, wenn jemand gewalttätig ist, der wirkt unglaublich mächtig und kräftig, aber das ist halt nur für ein paar Minuten.
Ist das ein neues Phänomen?
Hubert Frank:
Ich glaube eigentlich nicht, ich glaube, dass in Partnerbeziehungen schon immer auch Gewalt ausgeübt wurde, von Männern vor allem Gewalt ausgeübt wurde. Was neu ist dass es öffentlich wird und öffentlich gemacht wird, weil Frauen sich das auch nicht mehr gefallen lassen und von daher sind die Männer einfach mit diesem Thema konfrontiert, dass man es ihnen vorhält, dass man sagt das geht nicht, das lassen wir uns nicht gefallen, das ist neu. Dass es Gewalt in Beziehungen gibt, das ist nicht neu.
Kann man sagen es gibt ein schicht- und oder kulturspezifisches Problem dabei?
Hubert Frank:
Also wir machen die Erfahrung, dass Gewalt tatsächlich durch alle Schichten hindurchgeht. Das fängt beim Lufthansapiloten an und das hört sicherlich beim Arbeiter und Sparkassenangestellten auf. Das ist – glaube ich – kein Schichtenproblem. Was die Kultur anbetrifft, glaube ich, hat es die Verbindung in dem Moment, wo der Mann das Bestimmungsrecht hat – und solche Kulturen gibt es ja auch noch wo das ungefragt einfach so ist . Wir haben zum Glück ein Geschlechterverhältnis, was zumindest gleichberechtigt ist und da wird es zu einem Problem, weil dem Mann abgesprochen wird, dass er Gewalt als Konfliktlösungsmöglichkeit noch nutzt. Das wird ihm zunehmend vorgehalten und ist ja auch nicht sinnvoll und nicht möglich und nicht zu gebrauchen. Und da wird es zu einem Konflikt.
Warum brauchen solche Männer Beratung? Würden nicht Gesetze, Verbote, Kontrollen genügen?
Hubert Frank:
Das Problem ist, wenn jemand gewalttätig geworden ist, ist ein Prozess vorangegangen, der darauf aufgebaut hat, d.h. dieser Mann hat lange Dinge mit sich geschehen lassen. Eigenartigerweise. Man glaubt nicht, dass sie was mit sich geschehen lassen. Aber das ist so. Sie haben sich überfordern lassen, sie haben sich selbst überfordert. Sie haben vielleicht noch ein Bild von Männlichkeit, wo der Mann alleine bestimmt. Das ist vorangegangen und am Ende davon ist eine Gewalttat und wenn das jetzt beendet werden soll, muss im Grunde auch das, was vorher gelaufen ist, bearbeitet werden.
Also wie sage ich “nein” ohne gewalttätig zu sein?
Wie wehre ich Ansprüche ab auf eine andere Weise?
Wie zeige ich überhaupt was ich möchte, was ich nicht möchte.
Hubert Frank:
Das sind alles Dinge, die vorher meistens nicht gelaufen sind und dann ist irgendwann die Gewalttat da. Und das kommt noch hinzu: Dann ist, wenn eine Gewalttat geschehen ist, diese Sicherheit verschwunden, dass zwei Partner sich sicher sein dürfen, dass sie nicht angegriffen werden. Das heißt: da ist eine Grenze überschritten, die weit mehr ist als dass man sich gegenseitig anschreit. Bei der Frau ist einfach das Gefühl weg: ich kann schon viel bewegen und auch in den Streit gehen, aber es passiert mir körperlich nichts. Das ist verschwunden. Und das lässt sich auch nicht einfach durch eine Entschuldigung – wenn der Mann sagt es tut mir leid – aus der Welt schaffen, sondern nur wenn er die Verantwortung für sein Verhalten übernimmt auf der ganzen Linie und der Frau mit der Zeit die Sicherheit wieder zurückgibt “von mir brauchst Du keine Angst zu haben”. Und das braucht einen längeren Beratungsprozess.
Sie sprechen das Vorfeld an. Gibt es Warnzeichen, Indizien oder Alarmglocken die schrillen wenn irgendetwas passiert?
Hubert Frank:
Ich glaube ein Alarmzeichen ist, wenn der Mann immer ruhiger wird, wenn er immer weniger sich mitteilt. Also auch mitteilt, was ihm gefällt, was ihm nicht gefällt, was er will, was er nicht will. Also wenn das immer ruhiger wird. Zeichen sind auch, wenn der Mann überfordert ist, entweder vom Beruf oder von irgendwelchen sonstigen Ansprüchen, auch von Idealen – wir haben ein tolles Haus und da muss noch eine klasse Hofauffahrt gemacht werden und wir brauchen noch dies und das… also wenn Anzeichen der Überforderung sich zeigen und die nicht ernst genommen werden – sowohl vom Mann als auch von der Frau, dann glaube ich, sind es Alarmzeichen, dass es eines Tages zu einem Ausbruch kommen wird.
Was kann das Umfeld machen wenn man zwar solche Symptome oder Warnungen erspürt, aber der getroffene Mann uneinsichtig ist?
Hubert Frank:
Ja man kann natürlich, wenn man das merkt, dass jemand überfordert ist, z.B. das mitteilen, man kann ihn drauf ansprechen, man kann so ein Stück Ansprüche auch herausnehmen, aber wichtig ist auch, dass eine Frau z.B. jetzt nicht sagt: “Jetzt entspanne mal” oder sonst irgendwie also wieder auch Ansprüche stellt, sondern eher mitteilt, ich erlebe das momentan so und so. Ja also eher von sich spricht und da ein Angebot macht oder Hinweise gibt, das glaube ich ist im Vorfeld möglich, also nicht mach mal das mach mal dies, sondern eher das mitzuteilen, was man wahrnimmt.
Wenn nun ein Mann sich zur Beratung entschlossen hat, wie läuft eine solche Beratung ab?
Hubert Frank:
Also er kommt erst einmal zu mir. Wir haben ein Beratungszimmer, das ist anonym, es ist also von außen nicht sichtbar, dass er in eine Gewaltberatung geht. Dann spreche ich mit ihm über die Gewalttat, schaue, was da passiert ist. Es ist eine Gesprächssituation, also er muss nicht irgendeine Übung machen und ich versuche immer wieder den Mann zu motivieren, wahrzunehmen, wie es ihm innerlich gegangen ist. Und das ist oft eine Türöffnung, mal so zu spüren: ich war ohnmächtig, ich wollte eigentlich was anderes. Das zu thematisieren, ist hilfreich und es ist keine Beschimpfung, es ist auch keine Verurteilung meinerseits.
Wie findet ein betroffener Mann Adressen und Kontakte?
Hubert Frank:
Es gibt eine bundesweite Hotline, die kann man täglich anrufen kann , wo man Gewaltberater am Telefon direkt hat und sich beraten lassen kann bzw. einen Partner vor Ort findet, so dass man nicht so weit fahren muss. Es gibt eine Website über Gewaltberatung, wo man Adressen finden kann und es gibt hier eine regionale Nummer, die ein Betroffener anrufen kann. Zunächst auf den Anrufbeantworter und es ruft jemand zurück. In der Regel bin ich das, wenn es hier im Rhein-Main-Gebiet ist und stelle dann den Kontakt her.
Vielen Dank Herr Frank für das Gespräch
Die Fragen stellte Manfred Lay.
Foto: M.Lay
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