Das vielgelobte Coolness-Training ist demnach ineffizient, unwissenschaftlich und mit dem Grundgesetz nicht vereinbar.

Zu solch vernichtenden Ergebnissen kommt eine zusammenfassende Analyse, die auf der Seite:  „Kein heisser Stuhl in Hamburger Schulen“ nachzulesen ist. Die Autoren haben keine Mühen gescheut und gehen mit Weidner´s Training hart ins Gericht…

Hier einige Zitate:

Neben einer breiten Fachkritik aus Erziehungswissenschaft und Psychologie gibt es mittlerweile auch vertiefende juristische Stellungnahmen zur verfassungsrechtlichen Einordnung der AAT- und Coolness-Trainings.

Der Erziehungswissenschaftler und Richter Prof. Dr. Hans-Joachim PLEWIG unterzieht das Anti-Aggressivitäts-Training mit dem Heißen Stuhl (AAThS) einer kritischen erziehungswissenschaftlichen und rechtlichen Betrachtung. Das Ergebnis seiner systematischen und gründlichen wissenschaftlichen Analyse ist eindeutig: „Das Konzept ist theoretisch nicht fundiert, methodisch nicht gerechtfertigt und rechtlich unzulässig.“1 Seiner Bewertung legt er die Rechtsnormen des § 1631 Abs. 2 Bürgerliches Gesetzbuch zugrunde, die das Recht des Kindes auf eine gewaltfreie Erziehung (Satz 1) und das Verbot körperlicher Bestrafung, seelischer Verletzung und entwürdigender Maßnahmen (Satz 2) beinhaltet. Als entwürdigend im Sinne des § 1631 Abs. 2 BGB gelten Maßnahmen, die die eigene Selbstachtung und das Ehrgefühl in unzulässiger Weise beeinträchtigen.2 Dem Verbot körperlicher Bestrafung, seelischer Verletzung und entwürdigender Maßnahmen unterliegt nach Grundgesetz Art. 6 Abs. 2 S. 2 auch der Staat (und somit Einrichtungen der Jugendhilfe und Schule) als Inhaber des Wächteramts für das Kindeswohl.

PLEWIG stellt die „Vorgehensweisen aus dem konfrontativen Teil des AAThS wie die spezifische Form des Vorgeführtwerdens vor der Gruppe und die `grenzwertige´ Kommunikation insgesamt“, auf eine Stufe mit entwürdigenden Maßnahmen.3

HEIN hat selbst AAT- und Coolness-Trainings durchgeführt bzw. als Beobachter teilgenommen. Er beschreibt den `Heißen Stuhl´ als „Nadelöhr“ der Maßnahme, der zentraler und zwingender Bestandteil sei.7 Während der ein- bis zweistündigen Sitzungen muss jeder Teilnehmer auf einem Stuhl in der Mitte eines engen Stuhlkreises alleine sitzen und sich den sog. Konfrontationen der Gruppe stellen. Hierbei sind Provokationen, Beleidigungen (gezieltes Bezeichnen und Anreden des Teilnehmers als „weibisch“, „schwul“ etc.), lautes Reden oder gar Brüllen u. ä. explizit erlaubt. Bei den körperlichen Berührungen beschreibt er geringfügigen Körperkontakt, der von bloßen Berührungen bis hin zu einem „Rumtätscheln“ im Gesicht reichen kann, und massive Formen wie Schubsen oder gar Schlagen.8
In seiner zusammenfassenden rechtlichen Würdigung stellt HEIN in dieser Praxis des `Heißen Stuhls´ einen Eingriff in das Recht der Teilnehmer auf körperliche Unversehrtheit nach Art. 2 II 1 Alt. 2 GG, und somit eine Grundrechtsverletzung fest.9

In einer umfangreichen Wirkungsstudie untersuchte das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen (OHLEMACHER u. a., 2001) die Legalbewährung einer Gruppe von 73 Teilnehmern des Anti-Aggressivitäts-Trainings in der JVA Hameln und 73 in Hameln Inhaftierten, die das Training nicht durchlaufen hatten. Über einen Zeitraum von 12 Jahren (1987-1999) wurden AAT-Teilnehmer von WEIDNER u. a. in einem Pre-Post-Test-Design mit Hilfe des Freiburger Persönlichkeitsinventars (FPI-R) und der Fragebogen zur Erfassung von Anti-Aggressivitätsfaktoren (FAF) befragt. WEIDNER selbst stellt im Ergebnis der Selbst-Evaluation fest, „dass die Behandlung von veränderungsbereiten Gewalttätern zu einer signifikanten bis höchst signifikanten Verringerung der Erregbarkeit der Aggressionshemmung führt im Vergleich zu nicht behandelten gewalttätigen Wiederholungstätern.14
In der wissenschaftlichen Bewertung der von Weidner verwendeten Methode kommen OHLEMACHER u.a. (2001) zu dem Ergebnis, „dass beide Skalen (FPI-R und FAF, Anmerk. d. Verf.) als Selbstauskunftsmaße faktisch nur die Veränderung des Selbstkonzeptes im Sinne der Wahrnehmung der eigenen Aggressivität erfassen können. (…) Entscheidend ist, ob sich das tatsächliche Verhalten substanziell ändert. Beiden Skalen fehlt es somit an ausreichender Validität (Belastbarkeit der Aussage, Anmerk. d. Verf.) mit Blick auf das eigentliche Evaluationskriterium einer Verhaltensveränderung.“15

Die bisherigen Selbst-Evaluationen (von WEIDNER u. a.) haben alle diese Selbstauskünfte der Probanden zur Grundlage, insofern stellt die Untersuchung des Verhaltens in der Legalbewährung von OHLEMACHER u. a. einen wichtigen Schritt in Richtung Wissenschaftlichkeit und Objektivität dar. Die Untersuchung wurde auf Basis von Auszügen aus dem Bundeszentralregister (BZR) durchgeführt. Bei 63% der untersuchten Personen (N= 146) wurde ein strafrechtlich relevanter und als solcher gerichtlich belangter Rückfall festgestellt. Alle nicht den Strafverfolgungsinstanzen bekannt gewordenen Straftaten fanden in der Untersuchung keine Berücksichtigung.
OHLEMACHER u. a. kommen in ihrer wissenschaftlichen Untersuchung zu dem Ergebnis: „Vergleicht man die jeweiligen Rückfallraten, -häufigkeiten und -geschwindigkeiten von AAT-Trainierten und AAT-Untrainierten, so erweisen sich diese als nahezu identisch.

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